1. Juni 2017
 

Erkrankungen der Verdauungsorgane sind die vergessenen Volkskrankheiten

 

Die nicht-malignen Krankheiten der Verdauungsorgane sind nach den Herz-Kreislaufstörungen die häufigsten Krankheiten der Deutschen. Jährlich werden rund zwei Millionen Menschen, die an einer Erkrankung des Verdauungssystems leiden, im Krankenhaus behandelt. Als Volkskrankheiten werden die gastroenterologischen Erkrankungen dennoch nicht wahrgenommen – und rangieren in Gesundheitspolitik und Wissenschaftsförderung entsprechend weit hinten. Zu diesem Schluss kommt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in ihrem neuen „Weißbuch Gastroenterologische Erkrankungen 2017“. Mit dem erstmalig aufgelegten Weißbuch will die DGVS eine validierte Zahlengrundlage schaffen, auf deren Basis Diskussionen über die Gegenwart und Zukunft der gastroenterologischen Erkrankungen in Deutschland geführt werden können.

Kein anderes Fachgebiet behandelt ein so breites Spektrum von Erkrankungen wie die Gastroenterologie: Sie befasst sich mit allen malignen und nicht-malignen Krankheiten an Magen, Darm, Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse. „Die Vielfalt der Krankheiten und Behandlungsmethoden machen unser Fachgebiet einerseits attraktiv für den Nachwuchs und die Forschung“, sagt Professor Dr. med. Frank Lammert, Präsident der DGVS. „Auf der anderen Seite gerät gerade auch aufgrund des breiten Spektrums seitens der Öffentlichkeit, der Gesundheitspolitik und der Wissenschaftsförderung leicht aus dem Blick, welche Relevanz die gastroenterologischen Erkrankungen insgesamt haben.“

Sechs Millionen Deutsche unterziehen sich jedes Jahr einer Endoskopie, etwa im Rahmen der Darmkrebsvorsorge. Außerdem werden jährlich rund zwei Millionen Menschen mit Krankheiten der Verdauungsorgane im Krankenhaus behandelt. Ihre Behandlung erfordert mehr als elf Millionen Belegungstage, nahezu doppelt so viele wie bei den Erkrankungen der Lunge oder der psychischen Leiden, zweieinhalb Mal so viele wie bei den neurologischen Krankheiten und dreimal so viele wie bei den Infektionskrankheiten. Mehr als 37 000 Menschen sterben jedes Jahr an Krankheiten der Verdauungsorgane – auch hier deutlich mehr als an Infektionskrankheiten, Diabetes, psychischen Störungen, Demenz oder den muskuloskelettalen und neurologischen Erkrankungen. Die direkten Kosten der Behandlung von Krankheiten der Verdauungsorgane belaufen sich auf 34,8 Milliarden Euro.

„Dennoch rangiert die Versorgung dieser Patienten in der Priorisierung der Gesundheitspolitik und Wissenschaftsförderung unerklärlicherweise immer noch auf einem relativ niedrigen Niveau“, so Professor Lammert. „Bis heute ist beispielsweise eine Förderung durch koordinierte Projekte der Wissenschaftsförderung des Bundes, wie etwa die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung oder die Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren, ausgeblieben – und dass trotz der Relevanz der Erkrankungen im Hinblick auf Mortalität, Morbidität sowie Kosten und trotz des international sehr hohen Ansehens der deutschen gastroenterolgischen Forschung. Hier braucht es dringend ein Umdenken!“

Das vom Center for Health Economics Research in Hannover (CHERH) unabhängig erstellte Weißbuch der DGVS soll eine validierte Zahlengrundlage schaffen, auf deren Basis Diskussionen über die Gegenwart und Zukunft der Versorgung der Volkskrankheiten der Verdauungsorgane in Deutschland geführt werden können. Die Kapitel des Weißbuchs stellen die medizinischen Aspekte, aktuellen epidemiologischen Parameter und Kosten der wichtigsten gastroenterologischen Erkrankungen dar. Jedes Kapitel enthält zudem eine Liste „offener Fragen“, die den aktuellen Bedarf an wissenschaftlichen Studien, medizinischen Innovationen und gesundheitsökonomischen Verbesserungen darlegt. Abschließend wird auf die Perspektiven der gastroenterologischen Weiterbildung und den gastroenterologischen Forschungsbedarf eingegangen.

Das Weißbuch Gastroenterolgische Erkrankungen 2017 der DGVS wurde im Rahmen der Jahrespressekonferenz der DGVS am 30. Mai in Berlin vorgestellt. Das Buch ist als kostenfreier pdf-Download abrufbar unter: https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2017/05/Weissbuch-Gastroenterologie_web.pdf.

www.dgvs.de

 

   

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